Über eine Menge von Dingen, und den Grund für manche Sachen erforschen.
Da fängts an mit Frau Aigner. Frau Aigner, zeichnet sich verantwortlich für den Verbraucherschutz in unserem Lande ( unter anderem gegen die Lebensmittelampel, die Offenlegung der EU-Subventionen für deutsche Bauern ), und natürlich ( was könnte wichtiger sein! ) im Vorstand des “Bund Deutscher Karneval”. Und warum hab ich diese Tante so hart gefressen? Naja, es ist ganz einfach. Man kann, warum auch immer, gegen Google sein. Kein Problem, und natürlich gehört dass zweifelsohne zu ihrem Aufgabenfeld. Man kann auch, auf einmal gegen “Google, Facebook und Microsoft” sein, mit der ( wirklich bescheuerten ) Warnung vor der Marktmacht dieser Unternehmen, angeführt mit buzzigen Sätzen wie “globaler Digitalisierung”. Herzlich Willkommen in der Gegenwart.
Zeugt es von einem tiefgreifenden Verständnismangel, wenn man mit solchen Phrasen um sich wirft, oder ist es einfach nur blanke Ignoranz? Es kann beides sein. Verständnismangel liegt nahe: Google, Microsoft und Facebook, um die drei bösesten, die virtuelle Achse des Bösen, zu nehmen, haben sich auf relativ legitime Art und Weise dorthin gebracht wo Sie jetzt sind. Das einzige, was überhaupt nicht auf diese Entwicklung vorbereitet war ( und ist, siehe Merkel sagt Nein zu Internetminister ) sind die regierenden Instanzen. Die Nutzer wollen offensichtlich Facebook benutzen, mich zwingt niemand. Ebenso bei Microsoft ( oder Apple ), und das gleiche bei Google.
Und dann StreetView. Das böseste, teuflischste, deutschlandvernichtendste Tool ever. Ich weiss ja nicht wer die Lobbyarbeit dahinter betreibt, ob Microsoft dahintersteckt oder was da genau los ist, aber diese blinde, nackte Angst vor Bildern, die man im Vorbeigehen genau so machen kann, ist mir unverständlich. Wenn ich mich darauf entdecke, Link, Google sagen, Bild ist Weg. Die vielen positiven Aspekte an StreetView, z.B. ich schau mir mein Hotel schon mal vorher an, ich informier mich im Vorfeld über Parkplätze etc, werden völlig aussen vor gelassen. Man könnte glatt meinen, Aigner macht hier unserem Bundesdatenschutzbeauftragten den Rang streitig ( was angesichts der verfassungswidrigen Vorratsdatenspeicherung, Stoppschildern und noch mehr so kram ) lächerlich ist. Und was diese Bundesfinanzierte Google-Trollerin auch noch nicht verstanden hat: ihre originäre Aufgabe ist es nicht, Dinge zu verlangen, sondern konstruktive Eingaben in den Gesetzgebungsprozess einzubringen, um somit neue Gesetze zu schaffen, die die Bürger schützen. Am besten noch im Sinne der Bürger.
Offensichtlich völlig unfähig dazu, wird also jetzt Google platt gemacht. Interessante Frage an alle: Wenn Google nicht wäre, was hätten wir als Gegenstück? Welches europäische Suchunternehmen könnte die Lücke füllen? Naja. Keins. Kein einziges. Das letzte IT-Unternehmen aus Deutschland das mich interessiert hat war TXTR mit ihrem ebook-reader, und selbst die sind so schlau sich nicht auf der CeBIT blicken zu lassen. Der deutschen Politik ist also nicht einmal klar woran die Marktkonzentration liegt. Warum keine deutschen Player an irgendwas beteiligt sind. Es liegt nicht an der Boshaftigkeit der Amerikaner, ich denke das kriegen wir auch hin, sondern einfach an der geistigen Blockade in Deutschland wirtschaftlich etwas anderes als Autos, Stahl und Steinkohle zu fördern. Mit innovativen Ideen ( die in erster Linie “experimentell”, “innovativ” oder “zukunftsweisend” als Label haben, und nicht den durchschnittlichen Ertrag nach 2 Jahren ) an eine Förderung zu gelangen ist fast unmöglich, zumindest in der IT. Leute bei den Banken und Politik haben meist überhaupt keine Ahnung von der Technik, die es schon gibt. Von Dingen, nach denen die zukünftigen Kunden fragen. Ich war neulich Gast eines Vortrags über die Usability auf Mobilgeräten. Der Redner hatte noch nie ein iPhone bedient. Einzelfall? Weit gefehlt.
Aber weiter gehts. Wir machen das Bildungssystem noch ein bisschen mehr kaputt, innovation hatten wir ja mit dem Ottomotor. Und Diesel. Und in 20 Jahren ärgern wir uns drüber dass die anderen schon wieder besser sind.
Wir brauchen mehr Zukunft, mehr Mut, mehr Abenteuerlust, mehr Bildung, mehr Innovation. Und weniger vermeintlichen Verbraucherschutz, dafür mehr echten. Und die Lebensmittelampel.